Das ist die häufigste Antwort, die ich von Müttern bekomme, wenn ich sie frage, wie ihr Wochenbett war. Es ist genau dieses Wort: Schrecklich.
Es ist nicht: Herausfordernd oder Anstrengend oder etwa Kuschelig.
Nein, die Frauen sagen, dass ihr Wochenbett einfach nur schrecklich gewesen ist.

Und dann sind sie über sich selber erschrocken und auch erleichtert, dass sie es genauso gesagt haben, wie es sich für sie anfühlt.

Und als zweites kommen dann häufig diese Sätze:

  • „Mein Wochenbett war einfach nur schrecklich“
  • „Ich habe ganz häufig gedacht: Und das ist jetzt mein Leben?“
  • „Es hat sich gar nicht mehr nach mir angefühlt.“
  • „Mein Umfeld hat mir gesagt, dass ich die Zeit genießen soll. Der Satz hat mich so wütend gemacht.“
  • „Ich habe mich im Wochenbett total überfordert und unglücklich gefühlt.“
  • Warum hat mir niemand gesagt, dass das Wochenbett so ist?“

Das Bild in der Gesellschaft ist ein anderes. Von den Frauen nach der Geburt wird erwartet, dass sie überglücklich sind, dankbar und ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Die meisten Frauen fühlen sich jedoch ganz anders, und trauen es sich oft nicht zu sagen aus Sorge vor der Reaktion.

Nach und nach erzählen mir Mütter in der geschützten Atmosphäre meines Karlsruher Beratungsraums auch oft Gedanken wie:

  • „Ich fühle mich so schlecht, dass ich das Wochenbett nicht genießen konnte.“
  • „Bei allen anderen und auf Instagram sah es so schön aus, nur bei mir war es das nicht.“
  • „Ich konnte mich gar nicht richtig an meinem Baby erfreuen – wie kann das sein?“
  • „Ich habe mir doch so sehr ein Baby gewünscht und mich auf die Zeit des gemeinsamen Ankommens gefreut, und dann kam alles ganz anders.“

Was ist die ursprüngliche Bedeutung des Wochenbetts?

Das Wochenbett dauert 40 Tage, die ersten 10 Tage werden auch das frühe Wochenbett genannt. Es beginnt mit der Geburt der Plazenta, das heißt, nachdem der Geburtsvorgang abgeschlossen ist. Danach beginnt die Rückbildung, die Heilung und die hormonelle Umstellung.

Die Phase des Wochenbetts ist gedacht zum Heilen, Ankommen und Erholen. Die Frau soll sich ausruhen und wird umsorgt (mothering the mother). Das heißt, sie bekommt Unterstützung bei der Versorgung des Babys, sie wird bekocht und von Alltagsaufgaben wie Wäsche waschen etc. befreit.

Seit den 50er Jahren haben die Mütter in dieser Zeit ein Beschäftigungsverbot und Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. (Quelle: Wochenbett – Wikipedia)

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Warum ist das Wochenbett meistens nicht idyllisch?

Der Hauptgrund ist, dass die frischgebackenen Eltern meistens fast komplett auf sich allein gestellt sind. Das Dorf, das so wichtig ist, um die Eltern, vor allem die Frau,  zu entlasten, ist nicht mehr da.
Stattdessen versuchen die Paare fast alles alleine zu bewältigen: Baby versorgen, Essen machen, Wäsche waschen, Notwendiges besorgen, Haushalt erledigen und vor allem:

  • das Ankommen
  • das Heilen
  • das Klarwerden, was da gerade passiert ist
  • das Verstehen, dass da jetzt dieses Menschlein bei ihnen ist, für das sie nun die Verantwortung tragen

Das braucht Zeit und Ruhe. Die ist jedoch nicht da, weil so vieles anderes erledigt werden muss (siehe oben).
Und wenn dann noch die Geburt schwierig war oder das Baby sehr viel weint, ist die Situation für die Eltern kaum noch händelbar.

Welche Auswirkung hat ein schwieriges Wochenbett auf die Bindung zum Baby?

Eine gute Bindung entsteht nicht automatisch mit der Geburt. Sie entwickelt sich Schritt für Schritt durch Nähe, Zuwendung, gemeinsame Erfahrungen und das feinfühlige Reagieren auf die Bedürfnisse des Babys.

Ist eine Mutter im Wochenbett stark belastet, können genau diese ersten Begegnungen erschwert sein. Wer Schmerzen hat, sich von einer traumatischen Geburt erholen muss oder unter großer Erschöpfung leidet, hat möglicherweise zunächst wenig Kraft und emotionale Kapazität, um sich auf das Baby einzulassen.

Manche Frauen berichten, dass sie sich ihrem Kind nicht unmittelbar verbunden fühlen. Andere erleben Unsicherheit, innere Distanz, Ängste oder sogar Schuldgefühle, weil sie nicht die Freude empfinden, die sie erwartet haben.

Auch psychische Belastungen wie Ängste oder eine postpartale Depression können das Erleben der Mutter und die Beziehung zum Baby beeinflussen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen mütterlicher psychischer Belastung und Schwierigkeiten beim Aufbau der Mutter-Kind-Bindung.

Eine schwierige Anfangszeit bedeutet jedoch nicht, dass die Bindung dauerhaft beeinträchtigt ist

Mir ist an dieser Stelle eine Botschaft besonders wichtig: Ein schwieriges Wochenbett bedeutet nicht, dass eine gute Bindung zum eigenen Kind nicht mehr entstehen kann.

Bindung ist kein einmaliges Ereignis, das in den ersten Stunden oder Tagen nach der Geburt stattfindet. Sie ist ein Entwicklungsprozess, der sich über viele gemeinsame Erfahrungen hinweg entfaltet. Es braucht keine perfekten ersten Wochen und auch keine Mutter, die jederzeit glücklich, entspannt und verfügbar ist.

Vielmehr sind es die vielen kleinen Begegnungen im Alltag, die eine Beziehung wachsen lassen: das Halten, Beruhigen, Anschauen, Sprechen und das schrittweise Kennenlernen der Signale des Babys.

Auch nach einem schwierigen Start können Nähe, Vertrauen und eine sichere Beziehung entstehen.

Was kann helfen, die Bindung zu stärken?

Zunächst einmal braucht eine Mutter, die ein belastendes Wochenbett erlebt, selbst Unterstützung und Fürsorge. Körperliche Erholung, emotionale Entlastung und das Gefühl, mit den eigenen Erfahrungen ernst genommen zu werden, sind wichtige Voraussetzungen.

Darüber hinaus können kleine, alltagsnahe Begegnungen helfen:

Haut-zu-Haut-Kontakt, wenn Mutter und Baby sich damit wohlfühlen.
Bewusste Momente des Blickkontakts und der Nähe.
Das Wahrnehmen und Beantworten der Signale des Babys.
Gemeinsame Ruhezeiten ohne den Druck, etwas Bestimmtes leisten zu müssen.
Bei anhaltenden Ängsten, Niedergeschlagenheit, innerer Distanz oder dem Gefühl, keinen Zugang zum eigenen Baby zu finden, ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Eine Hebamme, eine psychotherapeutische Fachperson oder eine spezialisierte psychologische Beratung können helfen, die Belastungen einzuordnen und passende Unterstützung zu finden.

Eine Bindung muss nicht von Anfang an vollkommen sein. Sie darf wachsen, sich entwickeln und auch nach einem schwierigen Start ihren ganz eigenen Weg finden.

Setze Dich deshalb nicht noch zusätzlich unter Druck, möglichst schnell glücklich, entspannt und vollkommen in deiner Mutterrolle anzukommen. Es brauchen Verständnis, Zeit, Unterstützung und vor allem die Gewissheit: Es ist nicht zu spät. Auch wenn der Anfang schwierig war, kann und darf eine wunderschöne Beziehung zum eigenen Kind noch wachsen.

Wenn Du dieses Thema aus der wissenschaftlichen Perspektive anschauen möchtest, findest Du hier ganz viele Informationen:
Recommendations | Postnatal care | Guidance | NICE

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Wie kann ich die Trauer, dass das Wochenbett nicht schön war, bearbeiten?

Dieser Aspekt findet häufig zu wenig Beachtung. Denn manchmal ist es nicht nur das schwierige Wochenbett selbst, das die Frauen belastet. Es ist auch die Trauer darüber, dass eine Zeit, die sie sich so sehr anders vorgestellt hatten, unwiederbringlich vergangen ist.

Viele Frauen trauern nicht nur um das, was sie erlebt haben, sondern auch um das, was sie nicht erleben durften.

„Ich werde dieses erste Wochenbett nie wieder zurückbekommen.“

Diese Trauer verdient einen Platz. Sie sollte nicht mit Sätzen wie „Hauptsache, das Baby ist gesund“ oder „Du kannst die Zeit doch jetzt noch genießen“ beiseitegeschoben werden.

Heilung beginnt häufig damit, dass eine Frau anerkennen darf, dass etwas gefehlt hat. Sie darf dankbar für ihr Kind sein und gleichzeitig traurig über ihr Wochenbett. Beides kann nebeneinander bestehen.

Die eigene Geschichte erzählen dürfen

Viele Frauen tragen ihre Erfahrungen lange mit sich herum. Sie haben vielleicht schon oft erzählt, dass die Geburt schwierig war oder das Baby anfangs in der Klinik bleiben musste. Aber nicht immer konnten sie darüber sprechen, wie es ihnen emotional wirklich ging.

Es kann sehr heilsam sein, die eigene Geschichte noch einmal in Ruhe zu erzählen:

  • Was habe ich während der Geburt und im Wochenbett erlebt?

  • Was war besonders schwer für mich?

  • Was hätte ich gebraucht, aber nicht bekommen?

  • Wann habe ich mich allein, hilflos oder überfordert gefühlt?

  • Was hätte ich mir für diese erste Zeit gewünscht?

Dabei geht es nicht darum, die Geschichte möglichst schnell positiv zu bewerten oder einen Sinn darin zu finden.

Ein gutes Geburts- oder Wochenbettgespräch mit einer Hebamme oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson kann dabei helfen.

Abschied nehmen von der Vorstellung, wie es hätte sein sollen

Ein besonders wichtiger Schritt kann sein, sich bewusst von der idealisierten Vorstellung des Wochenbetts zu verabschieden.

Hier kann eine kleine symbolische Handlung helfen, zum Beispiel:

  • Aufschreiben, was man sich gewünscht und was man tatsächlich erlebt hat.

  • Einen Brief verfassen an das eigene damalige Ich

  • Eine kleine persönliche Abschiedshandlung gestalten, beispielsweise eine Kerze anzünden oder einen besonderen Ort aufsuchen.

Eine mögliche Frage für diesen Prozess lautet:

Wenn ich meinem Ich von damals heute etwas sagen könnte – was würde ich ihm gerne mitgeben?

Oft entstehen dabei sehr berührende Erkenntnisse. Frauen erkennen, wie viel sie damals geleistet haben und wie wenig Verständnis und Unterstützung sie möglicherweise erfahren haben.

Schuldgefühle loslassen

Ein Thema, das ich besonders wichtig finde, sind Schuldgefühle.

„Ich konnte mein Baby nicht genießen.“ „Ich war nicht so liebevoll, wie ich sein wollte.“ „Ich habe die ersten Wochen nur funktioniert.“ „Andere Mütter erleben diese Zeit ganz anders.“

Solche Gedanken können die Trauer zusätzlich verstärken.

Hier ist es wichtig, den Blick auf die damaligen Umstände zu richten. Eine Frau, die Schmerzen hatte, traumatisiert war, sich Sorgen um ihr Baby machte oder völlig erschöpft war, konnte nicht einfach auf Knopfdruck glücklich sein.

Sie hat nicht versagt. Sie hat unter den Bedingungen, die damals herrschten, ihr Bestes gegeben.

Neue schöne Erinnerungen schaffen

Natürlich kannst Du die ersten Wochen nach der Geburt nicht zurückholen, aber Du kannst neue Erfahrungen schaffen.

Vielleicht kannst Du Dir bewusst Zeit nehmen für kleine Rituale mit dem Baby gemeinsam kuscheln, ein Bad genießen oder einfach einen Moment innehalten und das eigene Kind betrachten.

Dabei geht es nicht darum, das verpasste Wochenbett nachzuholen. Es geht darum, der gemeinsamen Geschichte neue, schöne Kapitel hinzuzufügen.

Das kann auch helfen, den Blick von dem zu lösen, was nicht gelungen ist, und wieder stärker wahrzunehmen, was heute möglich ist.

Sich professionelle Unterstützung holen

Manchmal sitzt die Trauer tiefer. Insbesondere dann, wenn eine traumatische Geburt, medizinische Komplikationen, eine Frühgeburt oder eine Trennung vom Baby erlebt wurden.

Wenn Frauen immer wieder von belastenden Erinnerungen eingeholt werden, bestimmte Situationen vermeiden, unter starken Ängsten leiden oder sich emotional nicht lösen können, sollte eine professionelle Begleitung in Betracht gezogen werden.

Je nach Belastung können beispielsweise helfen:

Sich erlauben, zwei gegensätzliche Gefühle zu haben

Du kannst Dein Baby lieben und trotzdem traurig sein, wenn Du an die erste gemeinsame Zeit denkst.

Du kannst dankbar sein, dass Dein Baby gesund ist, und gleichzeitig wütend darüber, was Du erlebt hast.

Diese Gefühle widersprechen sich nicht.

Hilfe bei Wochenbettdepression in Karlsruhe und online durch psychologische Beratung Mamaberatung Silke Rechlin

Wie läuft eine psychologische MamaBeratung ab und was kostet sie?

Es gibt bei mir keinen genauen Ablauf, ich passe meine Beratungsstunden immer Deiner persönlichen Lage an. Wir schauen in jeder Stunde, was Du mitbringst. Alles darf gesagt werden, alles darf gefühlt werden. Alle Gedanken haben einen geschützten Raum ohne Verurteilungen, dafür bekommst Du viel Verständnis für Dich und Deine Situation.

Dann geht es darum, Dich für den Alltag wieder zu stabilisieren. Wir suchen konkrete Hilfen und auch Ressourcen, die Du schon in Dir trägst – auch, wenn es Dir gerade nicht so vorkommen mag. Eine Beratung dauert 60 Minuten (und wenn wir ein paar Minuten länger brauchen, ist das kein Problem).
Du kannst Dein Baby mitbringen, wenn sich in dieser Zeit niemand anderes darum kümmern kann. Damit Du eher die Möglichkeit hast, Dich ganz auf Dich zu konzentrieren, biete ich auch Termine am späten Nachmittag, abends und am Wochenende an.
Die Gebühr für eine Beratungsstunde (60 Minuten) beträgt 50 Euro. 
Ich biete meine Beratungen auch in englischer Sprache an.

Die Beratungen können entweder in meinem Raum in Karlsruhe stattfinden oder deutschlandweit online als Videoberatung per Zoom.

Beratungen für Mütter in Karlsruhe und online